Man sollte sich nichts mehr vormachen: Harald Schmidt, genialer Entertainer, wortgewandter Talker und über alle Maßen intelligenter Moderator, hat sich selbst zu Grabe getragen. Er verdrückt sich zum Bezahlfernsehsender Sky und ist dort ab 11. September 2012 auf dem Pay-TV-Kanal Sky Atlantic zu sehen.
Sat.1 wollte ihn nicht mehr, den Scharfmacher mit der spitzen Zunge, der unlängst von alten Weggefährten wie Manuel Andrack und Heribert Feuerstein mit einem faulen afrikanischen Diktator verglichen wurde. Schmidt zieht es zum – wie er es nennt – Himmel auf Erden, den Bezahlfernsehsender Sky. Endlich ist die Quote egal, kann man machen, was man will. Auch wenn eventuell gar keiner mehr zuschaut.
Gestern nun lief die letzte Ausgabe der unverschlüsselten Harald Schmidt Show bei Privatsender Sat.1, von Schmidt auch gern als «Unser Powersender» bezeichnet. Wer auf den großen Knall, die bitterböse Abrechnung oder überhaupt eine deftige Ansage in Richtung Sat.1 gewartet hatte, sah sich enttäuscht. Aber auf dieses Niveau hat sich Schmidt ja noch nie begeben. Warum auch, hat er doch eine neue TV-Heimat gefunden. Und das wohl schneller, als es ihm so mancher zugetraut hätte. Exkollegen eingeschlossen.
So gab es in der letzten Harald Schmidt Show vor der Sommerpause Sky-Werbung im Überfluss. Auf die Spitze trieb es Schmidt dabei vor allem mit seinem letzten Gast, Akte-Moderator Ullrich Meyer. Der wollte gleich zu Beginn der Plauderei ganz ungeniert wissen: «Wo gehen sie jetzt eigentlich hin?» Schmidts ausweichende Antwort spiegelt seinen Gemütszustand gut wieder: «Ich will gar nicht drüber reden, wir sind hier noch sehr glücklich bei Sat.1. Aber es ist Sky», gibt er mit einem breiten Grinsen zu verstehen. Dann bricht es aus Schmidt heraus, immer wieder schafft er es, seinen neuen Arbeitgeber unterzubringen und Sat.1 damit eine ziemlich lange Nase zu drehen.
«Der erste Gast ist wahrscheinlich Sky Du Mont», posaunt der Entertainer in den Raum, wohl wissend, wie gut er den Vornamen des Mimen betont hatte. Doch Ulrich Meyer will es in seiner Funktion als Akte-Moderator absolut unnachgiebig und steigt auch noch auf das Gespräch ein: «Welches Abo muss ich kaufen, um sie zu sehen? Sport, Film, Blue Movie?»
Doch auch Schmidt punktet: «Wissen sie eigentlich, wer meinen Sendeplatz bekommt? Vielleicht machen ja sie einfach weiter», entgegnet er Meyer. Der hat mit Schmidts Abgang ein ganz anderes Problem. Er fürchtet nicht den Tod des Late-Night-Talks, obwohl er dazu nach den Versuchen von Thomas Gottschalk, Anke Engelke, Oliver Pocher, Thomas Koschwitz und selbstredend Harald Schmidt allen Grund hätte.
Nein, Ulrich Meyer ärgert, dass er, nun da Schmidt die Segel streicht, seine Abmoderation ändern muss. Und auch Schmidt schnoddert seine letzte Sendung für Sat.1 so dahin, lässt sich von Olli Dittrich, verkleidet als Sommerpause, in die selbige entführen und verabschiedet sich mit den gesalbten Worten: «Alles Gute, einen schönen Sommer. Wir sind wieder da am 11. September.»
Sicherlich, Harald Schmidt kehrt im Pay-TV im Herbst auf die Mattscheibe zurück. Der Late-Night-Talk im unverschlüsselten Fernsehen ist jedoch tot. Sat.1 ist der Täter, Schmidt Opfer und Totengräber gleichermaßen. Der Late-Night-Talk wurde begraben. Schade, Harald. Schade, Sat.1.
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Harald Schmidt Show – Dirty Harry ringt mit dem Late-Night-Tod
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